Über eine kurze Stillbeziehung

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Ich schreibe diesen Text, weil meines Erachtens auch die Erfahrung einer Mutter, die nicht abstillen wollte und trotzdem nicht anders konnte, sehr wichtig ist. Es sollte einfach auch mal von dieser Warte aus erzählt werden:

Unsere Stillbeziehung dauerte nur 5 Monate. Ich möchte sie nicht "gescheitert" nennen, denn zum Stillen gehören immer Mutter und Kind, und keiner der beiden kann für sich allein entscheiden, was geschehen soll.

Schon direkt nach der Geburt hatte ich kein einfaches Stillkind. Sie hat sich die ersten Tage einfach geweigert zu trinken, geschweige denn überhaupt an die Brust "anzudocken". Und ich dachte immer, Kinder suchen die Brust, sie haben gar nichts anderes im Kopf, als schnell schnell zur Mama und trinken! Von wegen! Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt, meine Erwartung war eine andere, ich war nicht frei im Kopf! Darauf folgte die Unsicherheit und ich verließ mich erst mal voll auf die Hebammen. Schließlich ist es deren Job, dachte ich. Das war es auch, im wahrsten Sinne des Wortes: Meine Tochter und ich waren mit unseren Startschwierigkeiten dem Schichtdienst der Hebammen schutzlos ausgeliefert. Die eine war der Meinung, dass ich zu flache Warzen hätte, die andere fand sie ganz wunderbar. Das machte es nicht einfacher.

Schon waren meine Brustwarzen blutig, und ich "durfte" die Milch abpumpen. Schön im Rhythmus. Tagsüber alle drei Stunden, nachts alle vier. Die Milch wurde dann mit der Flasche(!!!) gefüttert. Aber woher sollte ich denn wissen, dass das einer Stillbeziehung nicht grade zuträglich ist! Ich dachte ja, das fliegt einem alles so einfach zu. Das Fass zum überlaufen brachten dann allerdings 2 etwas ältliche Nachtschwestern, die die Kleine einfach zufütterten über Nacht und mich nicht weckten. Aus Bequemlichkeit, nehme ich an.

Von da ab ließ ich die Kleine nicht mehr von meiner Seite. Die nächste Nachtschwester musste dran glauben. Meine Drohung: Ich soll morgen nach Hause, und wenn das mit dem Stillen bis dahin nicht klappt, dann bleib ich einfach hier! Diese nette Hebamme hat wirklich die halbe Nacht mit mir da gesessen, und zusammen haben wir es geschafft, dass Rebekka zum ersten Mal nach ihrer Geburt vor immerhin 4 Tagen so richtig und dann aber auch gleich 'ne geschlagene Stunde von meiner Brust trank und nuckelte.

Ich war also "Entlassungsreif" und wirklich froh, endlich meine Ruhe zu haben. Zu Hause gingen die Probleme, dass sie nicht richtig trinken wollte, weiter, bis sie 8 Wochen alt war. Erst danach spielte sich alles ein. Dank einer sehr lieben Nachsorgehebamme haben wir diese schwierige Zeit überstanden und nicht aufgegeben.

Langsam genoss ich jedes Stillen, weil es kein Kampf mehr war. Wenn die kleine Hunger hatte, legte ich sie einfach an, und sie trank, bis sie satt war. Das hört sich für viele wahrscheinlich sehr selbstverständlich an, aber für uns war es das lange Zeit nicht.

Eines Tages, die Kleine war 4 Monate alt, da sagte ich zu meinem Mann, wie glücklich ich darüber sei das es sich jetzt so toll eingespielt hätte mit dem Stillen. Unmittelbar danach ging es los, dass Rebekka immer unruhiger wurde beim Trinken. Sie weinte hinterher immer, als sei sie nicht satt, wollte aber auch nicht mehr an die Brust, kam ja nix mehr. Auf einmal kam sie auch wieder nachts und hat tagsüber trotz stündlichem Anlegen wirklich nur noch geweint. Nach 2 Wochen dachte ich drüber nach, dass es unmöglich ein Wachstumsschub sein kann. So oft wie sie getrunken hat, hätte da doch mehr kommen müssen. Aber da war ich schon fast ausgetrocknet. Einfach so. Kein Mensch kann mir erklären, was das für ein Phänomen ist, dass einer stillenden Mutter einfach die Milch wegbleibt. Früher hätte das fürs Kind den sicheren Tod bedeutet.

Langsam aber sicher wurde mir klar, dass es nicht sein kann, dass die Kleine leidet vor Hunger, nur weil ich nicht fähig bin, genug Milch zu produzieren. Dann fingen wir an ihr erst mal zu jeder Mahlzeit Tee zum überbrücken zu geben. Ich wollte mir noch eine Chance geben, nicht gleich mit Muttermilchersatz anfangen. Nach ein paar Tagen erwies sich jedoch auch dies als hoffnungslos. Ich hatte darauf spekuliert, dass sie, erst einmal gesättigt, in Ruhe am Busen nuckeln würde. Aber das wollte sie dann nicht mehr. Die Spirale drehte sich immer weiter. Schlussendlich landeten wir dann doch bei Kunstmilch, und ich pumpte ab was das Zeug hielt. Meine Milch reichte nur noch zum zufüttern, es waren grade mal 100ml am Tag! Irgendwann verweigerte Rebekka dann auch noch die Muttermilch aus der Flasche, und ich mischte sie unter die Kunstmilch. Dann war ich es leid und hörte auf mich wegen der paar Tropfen am Tag zu quälen. Die Gedanken an damals quälen mich allerdings heute noch, und ich suche überall nach dem "Warum"

Was alles schlussendlich dazu führte, dass meine Mich wegblieb, darüber kann ich nur spekulieren. Sicher ist, dass ich einfach zu viel seelischen Stress hatte und dass Rebekka teilweise auch richtig gestreikt, mich abgelehnt hat. Das führte zu negativen Gefühlen, die sicherlich nicht förderlich waren.

Rein körperlich scheint es bei uns in der Familie schon des öfteren zu solchen Problemen gekommen zu sein. Extrem sensible Stillmütter, denen schon bei der kleinsten Aufregung die Milch wegblieb. Ich bin um eine Erfahrung reicher und weiß, dass ich mich beim nächsten Mal mehr abschotten muß. Aber ist das eine Garantie?

Erst einmal abgestillt war Rebekka sofort viel ausgeglichener. Das allein machte es mir leichter, einfach zu akzeptieren, dass es vorbei war. Aber damit wurde auch alles unheimlich kompliziert! Was da alles mit muss, wenn man unterwegs ist, ist ungeheuerlich!

Heute bedauere ich, dass ich nicht in der Lage bin, durch einfaches Geben der Brust mein Kind zu beruhigen. Oft gestaltet es sich unheimlich schwierig, sie wieder "runter" zu bringen, wenn sie sich fürchterlich aufregt. Da schaue ich jeder Stillmutter sehnsüchtig hinterher ;-)

Trotz dieser negativen Erfahrung, die ich gar nicht mehr so richtig schildern kann weil sie von den glücklichen Momenten fast völlig überlagert wird, würde ich jederzeit wieder stillen! Etwas anderes kommt mir gar nicht in den Sinn, obschon ich Angst vor neuerlichem "Versagen" habe. Diese Nähe und Geborgenheit, die wir beide in ganz seltenen Momenten gespürt haben, war einfach etwas Einmaliges.

Es war einer der schönsten Lebensabschnitte mit meinem Kind!

 

© 2002 Yvonne

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