The Continuum Concept - Nachdenkliches

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Jean Liedloff hat ihr Buch (im englischen Original) "The Continuum Concept" tituliert. Praktischerweise gibt es im Deutschen ebenfalls den Begriff Konzept, nur trifft die wörtliche Übersetzung leider nicht den Punkt. Concept heisst im Deutschen eben nicht Konzept und schon gar nicht ist das Buch als ein solches zur Erziehung von Kindern zu verstehen. Concept heisst übersetzt nichts anderes als Begriff.

Liedloff beschreibt in ihrem Buch die Lebensweise der Yequana-Indianer, die sie tief beeindruckt hat. Alles das ohne wissenschaftliche Methoden angewandt zu haben oder gar Mutter zu sein. Von daher sollte man sich hüten, ihr Buch als Ratgeber zur Erziehung von glücklichen und zufriedenen Kindern zu betrachten. Viele Menschen in der heutigen Zeit sind allerdings "auf der Suche nach dem verlorenen Glück" und meinen, Jean Liedloffs Buch als einen weiteren Ratgeber im Dschungel der Ratgeberliteratur hernehmen zu können.

Dass eine Umsetzung 1:1 nicht funktionieren kann und soll, sagt Liedloff selbst in einem  Interview mit Dr.Epstein. Sie will sich auch nicht so verstanden wissen, als müsse man sich Ringe durch die Nasen und Federn in die Ohren stecken (ebenda) und alles würde gut!

Aber wie denn dann?

Einhellige Meinung und kleinster gemeinsamer Nenner der zivilisationsgeprägten Liedloff-Anhänger scheint zu sein, dass man Stillen, Tragen und das Familienbett praktizieren müsse, und schon sei alles gut. Aber ist das wirklich so oder betreten wir damit nicht den nächsten - wenngleich gut gemeinten - Irrweg?

Was ist denn mit

 

  • Menschen, die objektiv (z.B. aufgrund von einer Operation) nicht Stillen können?

  • Menschen, die wegen einer Behinderung nicht tragen können?

  • Menschen, die im Familienbett nicht schlafen können?

 

Sind das alles Menschen, die für das CC verloren sind? Menschen, die vielleicht gar kein Kontinuum haben? Ich meine: nein!

Das von Jean Liedloff aufgezeigte Continuum Concept ist meiner Ansicht nach eher als artgerechter Umgang miteinander zu verstehen. Da tritt aber schon die nächste Frage auf, nämlich, was ist in unser heutigen Zeit und in unserer zivilisationsgeprägten Welt überhaupt noch artgerecht?

Sind wir nicht alle schon zum Homo sapiens consumens degeneriert? Wäre daher Fläschchen geben, die Kleinen in den Kinderwagen verfrachten, sich Kinder alleine in den Schlaf weinen lassen und tagsüber mit Fördervideos und anderen Maßnahmen / Kursen zu bombardieren nicht eher artgerecht? Vielleicht ...

Mir und meinem Urinstinkt als Mutter widerstrebt es zutiefst, meine Kinder so zu behandeln! Allerdings sollten wir uns davor hüten, ein Leben nach unserem Gefühl zum über allem stehenden Ideal zu erheben. Zum einen werden wir persönlich daran scheitern und zum anderen gilt es immer zu bedenken, dass all unsere Werte immer mit anderen Werten (wie die sozialen Gegebenheiten, die Gefühle unserer Umgebung etc.) konkurrieren. Ein "goldener Mittelweg" ist daher gefragt, und wie der aussehen kann, muss jede(r) für sich selbst herausfinden!

 

Carola

 

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