Alexanders Geburt im Krankenhaus

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Am Donnerstag, den 15. Februar, erwachte ich um 2.30 Uhr mit leichten Wehen. Schlafen konnte ich dann nicht mehr, wohl mehr vor Aufregung als vor Schmerzen - Heute kommt mein Baby (dachte ich damals)! Meinen Mann habe ich ganz normal zur Arbeit geschickt, die Wehen waren ja noch unregelmäßig, und der Abstand wurde auch nicht weniger.

Vormittags lief dann Fruchtwasser aus. Ich habe sofort meinen Mann angerufen, der dann mit mir ins Krankenhaus fuhr. Das Krankenhaus ist bekannt für seine Entbindungsstation, es sei sehr unkonventionell, weil antroposophisch. Weniger Dammschnitte, weniger Kaiserschnitte als normal...
Es ist das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, mit Kinder-Intensivstation im Haus. Das war mir damals wichtig. Ich hatte einen Rucksack mit Sachen dabei, die ich unter der Geburt gebrauchen könnte (dicke Socken u.Ä.), und einen Koffer für den Krankenhausaufenthalt, aber ich wollte eine ambulante Geburt. Die Sicherheit eines Krankenhauses, aber dann gleich nach Hause.

Im Krankenhaus haben sie mich dann erstmal untersucht. Der Muttermund war noch vollständig geschlossen. Dann haben sie mich erstmal rumlaufen lassen und ab und zu untersucht und ein CTG gemacht. Das ging so weiter bis Freitag, ohne großartige Veränderungen - die Wehen wurden nicht mehr und nicht weniger, der Muttermund ging nicht weiter auf. In der Nacht hatten wir Gott sei Dank ein Einzelzimmer. Die Frau, mit der ich das Zimmer teilte, bekam ihr Baby in der Nacht im Kreißsaal. Schlafen konnte ich (und mein Mann dann auch) nicht, weil die Wehen zu schmerzhaft waren. Die zweite Nacht mit fast keinem Schlaf. In den Kreißsaal konnten wir auch nicht, der war noch belegt. Als sich Freitag immer noch nicht viel getan hatte - der Muttermund war jetzt 2 cm auf, sind wir schließlich in den Kreißsaal gekommen. Die Wehen wurden immer stärker, aber es tat sich immer noch nicht viel, das war das Schlimmste daran! Die Wehen sind schmerzhaft, aber sie sind für etwas gut. Nur bei mir tat sich nichts. Das machte das Ganze noch schmerzhafter, weil ich auch die Hoffnung verlor, dass die Wehen etwas bewirkten. Mittlerweile dachte ich gar nicht mehr viel an mein Kind. Ich wollte einfach, dass die Schmerzen aufhören. 
Dann habe ich Akupunktur gekriegt, die leider nicht wirkte. Also folgte schließlich ENDLICH eine PDA mit Wehentropf! Welch eine Wohltat! Nun konnte ich mich entspannen und auch ein wenig schlafen. Alle zwei Stunden wurde die PDA nachgespritzt.

Um ca. 10 Uhr am Samstag sagten sie dann, das Kind müsse jetzt raus... Der Muttermund war vollständig geöffnet, und als die PDA abklung, hatte ich Presswehen. Die nützten aber wieder nicht viel, weil Alexander nicht tief genug im Becken lag. Also wurde der Chefarzt mit der Saugglocke angefordert. Der Arzt hat gezogen, ich hab gepresst. Die Presswehen fand ich übrigens das Beste an der Geburt. Endlich konnte ich etwas tun! Dann sagte der Chefarzt, noch eine oder zwei Wehen, dann wäre es vorbei. Da habe ich gedacht, nein, nicht noch eine Wehe und ganz stark gepresst...

So wurde Alexander geboren, am 17.02.2001 um 11.35 Uhr, mit 48,5 cm und 3.160 g.


Frisch geschlüpft

Leider wurde aus der ambulanten Geburt nichts, weil mein Kreislauf stark absackte. Ich hätte niemals von der Station nach unten zum Auto gehen können. Alexander wurde an einem Samstag geboren. Sonntags kamen viele Leute auf die Station, zum Besuchen. Deshalb waren die Kinder nachts total unruhig und quengelig. Die Nacht zum Montag war auch nicht viel besser. Meine Bettnachbarin hatte Probleme beim Stillen, und ständig kam jemand rein. Die Bettnachbarin war nett, störte mich aber, weil ich mit meiner kleinen Familie allein sein wollte. Ich habe meinen Mann da sehr vermisst. Er war aber sehr unsicher mit dem Kleinen und meinte, wir sollten noch im Krankenhaus bleiben. Ich habe mich dann mehr oder weniger durchgesetzt und war am Montag abend zu Hause. Endlich! Und erst nach ein paar Tagen zu Hause kam der Milcheinschuss!

Heute denke ich - nein, ich bin mir sicher! - die Geburt hat deshalb so lange gedauert, weil ich viel zu verkrampft war. Ich war schon immer ein Mensch, der sich am wohlsten fühlt in seiner gewohnten Umgebung. Die Kreißsäle im Krankenhaus, sowie einige Hebammen hatte ich zwar schon gesehen, aber ich kannte sie nicht. Demzufolge fühlte ich mich dort nicht wohl, es war unbekannt. Dort konnte ich nicht loslassen.

Was ich heute anders machen würde? - Ich würde auf jeden Fall eine Hebamme die Vorsorge machen lassen, die dann auch bei der Geburt dabei ist. Ich würde ins Geburtshaus gehen oder zu Hause entbinden. Ob ich das heute könnte, weiß ich nicht, weil ich Angst vor den Schmerzen haben, bzw. davor, sie nicht durch PDA "abstellen" lassen zu können.

 

© 2002 Janina