Janinas Weg zum Continuum Concept

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r der Geburt von Alexander dachte ich wie viele Frauen: Ich werde allerhöchstens 6 Monate stillen, weil dann ja unbedingt zugefüttert werden muss. Dann werde ich mein Kind selbstverständlich in seiner geliehenen Wiege schlafen lassen, es soll sich schließlich nicht angewöhnen, bei uns zu schlafen, sonst kriegen wir es nicht mehr raus. Und Tragetuch? – Ist nur was für Ökomütter!

Dann kam Alexander zur Welt. Die ersten zwei Nächte im Krankenhaus lag er in seinem Bettchen. Als wir zu Hause waren, legte ich ihn immer in seine Wiege zum Schlafen, vor allem tagsüber, aber auch nachts. Er schlief die ersten paar Wochen eigentlich den ganzen Tag. Nachts, wenn er aufwachte, nahm ich ihn der Bequemlichkeit halber in unser Bett und stillte ihn. Dabei bin ich dann regelmäßig eingeschlafen, so dass Alexander dann bis zum Morgen in unserem Bett blieb. Später wurde er zu groß für die Wiege und schlief gleich bei uns, immer zugedeckt mit seiner eigenen Decke. Eines Tages, als er schon krabbeln konnte, fiel er aus dem Bett. Was für ein Schock! Seitdem haben wir unsere Matratze und eine Babybettmatratze (geschenkt bekommen) auf dem Boden liegen. Eine richtige Bettenlandschaft! Alexander kann jetzt einfach rauf- und runterkrabbeln. Er kann bei Mama oder bei Papa im Arm oder alleine schlafen – jeder, wie er möchte. Alexanders Opa, mein Vater, meint, dass normale Menschen in Betten schlafen (mit Bettgestellen). Ich sage dann immer: Die Bettgestelle sind nur für Menschen ohne Kinder. Mein Mann hat mich von Anfang an unterstützt. Er vertraut auch heute noch seinem Gefühl, für ihn war das normal.

Weil Alexander viel geschlafen hat, schlief er auch beim Stillen ein. Das entwickelte sich einfach so. Ich kann bis heute nichts Falsches daran finden. Er wurde und wird immer nach Bedarf gestillt, in seiner Vollstillzeit meist alle zwei Stunden. Als er etwa 3 oder 4 Monate alt war, störte mich das aber sehr. Es war Sommer, und er wollte noch öfter trinken! Das konnte so nicht weitergehen! Auch unsere Kinderärztin sagte, nein, ein Zwei-Stunden-Abstand sei nicht normal. Wir sollten ihm Tee zwischendurch geben, den mein kluger Sohn aber kategorisch ablehnte. Ich habe mich dann einfach auf seinen Rhythmus eingelassen, und seitdem gibt es keine Probleme mehr. Auch mit der Beikost bin ich auf die Bedürfnisse meines Sohnes eingegangen. Er hat 8 Monate voll gestillt. Bis er 13 Monate war, hat er nur kleine Mengen an Beikost gegessen, immer von unserem Essen. Seitdem isst er auch mal größere Portionen.

Getragen haben wir Alexander auch, allerdings nicht so viel. Er fühlte sich auch auf seiner Krabbeldecke wohl. Leider hatten wir damals noch kein Tragetuch. Wenn Alexander ein Geschwisterchen bekommt, werde ich keinen Kinderwagen mehr kaufen, ich werde das Kind gleich im Tragetuch tragen.

Wir haben also unbewusst nach dem CC gelebt, indem wir Alexander die Entscheidung überließen, wo er schläft, wann er schläft, wann er isst usw. Nun ist er fast 15 Monate alt, und ich versuche, ihm wo es geht zu vertrauen, dass er weiß, wo ihm Gefahr droht und was er sich zutraut. Das ist für mich sehr schwer, denn ich wurde komplett anders erzogen. Meine Mutter hat mich „überbehütet“, sie hat mir vieles abgenommen, was ich selbst hätte machen können. Das möchte ich bei meinem Sohn anders machen.

Kurz vor der Geburt von Alexander entdeckte ich das Internet. Gleich fand ich die interessantesten Foren und diskutierte kräftig mit. Doch einige Zeit nach Alexanders Geburt fiel mir auf: Du bist irgendwie anders. Viele andere Mütter stillten nicht oder nicht nach Bedarf. Viele sagten: Du verwöhnst Dein Kind. Du tust ihm nichts Gutes damit! Bis ich andere Mütter kennenlernte, die ihre Kinder auch so „verwöhnten“ wie ich *winkezubarbara*. Jemand, ich weiß gar nicht mehr, wer es war, gründete einen Club bei  Urbia. Daraus wurde später dann die  Mailingliste bei Yahoo, die ein voller Erfolg wurde und schon viele Mitglieder hat. Endlich hatte ich einen Namen für die „Erziehung“ meines Kindes: Continuum Concept!

 

© 2002 Janina