Ist das CC ohne Tragen möglich?

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Dieser Text möchte die Eltern ermutigen, sich mit dem Continuum Concept zu beschäftigen, auch wenn sie ihr Kind nicht tragen können oder wollen.

Die Grundlage für Jean Liedloffs Continuum Concept ist der ständige Körperkontakt des Säuglings mit einem Menschen. Das Getragenwerden im Säuglinsalter ist für sie die Grundlage zu einer erfüllten und glücklichen Kindheit. Und auch ich bin davon überzeugt, dass es nichts Besseres für ein Kind geben kann.

Dennoch: Was ist mit den Kindern, die nicht getragen werden können? Sollen ihnen die übrigen Aspekte des Continuum Conceptes versagt bleiben? Wenn auch das Tragen für Jean Liedloff und viele ihrer Anhänger der Hauptpfeiler des Continuum Conceptes ist, geht es nicht auch anders?

Ich denke in erster Linie an Mütter, die ihr Kind wegen eines Kaiserschnittes, eines Bandscheibenvorfalls oder anderen körperlichen Beeinträchtigungen nicht tragen können. Aber auch an Eltern, die ihr Kind einfach nicht tragen wollen. Gerade Eltern, die ihr erstes Kind bekommen, haben sich mit so vielen neuen Dingen auseinander zu setzen. Da mag das „Schwimmen gegen den Strom“ mit dem Tragetuch vielleicht zu viel sein. Besonders allein erziehende Mütter, die keinerlei Unterstützung haben, können von der Vorstellung, ihr Kind den ganzen Tag tragen zu „müssen“, ohne, dass jemand sie einmal entlastet, abgeschreckt werden.

Und das finde ich so schade. Es gibt so vieles, was über das Tragen hinaus geht und das Continuum Concept ausmacht. Dies bleibt den Menschen aber unerschlossen, die sich von der Forderung, ihr Kind zu tragen, abschrecken lassen.

 

Wie kann ein CC-Leben ohne Tragen aussehen?

  1. Dazu muss man/frau sich vorallem auf ihren Instinkt verlassen. Dieser gibt normalerweise sowieso vor, dass man das Kind nach der Geburt und auch später so viel wie möglich bei sich haben möchte. Man verspürt den Drang, das Kind zu halten, zu liebkosen und auf dem Schoß zu halten. Wer diesem Drang nachgibt, ohne besorgt zu sein, das Kind verwöhnen zu können, hat schon viel erreicht.

  2. Da das Kind nicht im Tragetuch schlafen kann, ist eine andere Lösung nötig, die trotzdem größtmögliche Nähe ermöglicht.

    Dazu eignet sich gut ein rollbarer Stubenwagen, in dem das Kind in jeden Raum mitgenommen werden kann, besonders gut. Ich habe meinen Sohn den ganzen Tag hinter mir her gezogen. Obwohl ich zu Anfang noch nichts vom Continuum Concept gehört hatte, aber ich habe auf meinen Bauch gehört.

    So ist das Kind immer dabei, lernt die Geräusche des Alltags kennen und weiß, dass seine Mama immer da ist. So kann man auf alle Regungen eingehen und sich sofort um das Kind kümmern, wenn es wach wird. Bei der Hausarbeit kann man mit dem Kind sprechen, oder ihm was vorsingen. So fühlt es sich nicht alleine.

    Sobald man merkt, dass das Kind sich in dem Wagen nicht mehr wohl fühlt, kann es umgehend auf den Arm genommen werden. Auf einem bequemen Sessel geht das trotz körperlicher Beschwerden sehr gut.

    Wenn der Stubenwagen zu klein ist, kann er - solange das Kind noch nicht krabbelt - durch einen beweglichen und höhenverstellbaren Laufstall oder eine dicke Tagesdecke ersetzt werden. Der Vorteil von dem Laufstall ist, dass das Kind fast auf einer Höhe mit seiner Mama liegen kann und alles beobachten kann. Es gibt sicherlich noch andere Lösungen, mit denen dies gewährleistet wird. Wichtig ist, dass der Laufstall nur zu diesem Zweck eingesetzt wird. Sobald das Kind krabbeln kann, muss es die Möglichkeit haben, den Laufstall selbständig zu verlassen. Das Kind darf nie in den Laufstall in seiner Funktion als Aufbewahrungsort gesetzt werden, damit es sich nicht fortbewegen kann!

    Sobald das Kind krabbelt, kann es sich frei in der Wohnung bewegen. Schlafen kann es dann im Elternbett.

  3. Mit dem Kinderwagen unterwegs.

    Wer kein Tragetuch benutzt, muss notgedrungen auf einen Kinderwagen zurückgreifen. Aber auch dies kann so gestaltet werden, dass er nicht die Hölle ist.

    Am wichtigsten ist, dass das Kind nicht „luftdicht“ eingepackt wird. Das Verdeck sollte nach Möglichkeit immer unten sein, damit das Kind die Möglichkeit hat, seine Umgebung wahr zu nehmen. Natürlich sollte der Wagen so eingestellt sein, dass das Kind den Blick auf seine Mutter richten kann.

    Auch hier hilft wider, viel mit dem Kind zu sprechen, damit es weiß, dass es nicht alleine ist. Dies vorallem in der ersten Zeit, bis das Augenlicht sich voll entwickelt hat. Auch hier gilt: Sobald das Kind zeigt, dass es sich unwohl fühlt, aus dem Wagen nehmen. Keinesfalls schreien lassen.

    Später, wenn das Kind laufen kann, sollte es so viel, wie möglich laufen können. Allerdings ist es meiner Meinung nach besser, eine weitere Strecke, die das Kind noch nicht laufen kann, mit dem Kinderwagen zurück zu legen, als auf das Auto zurück zugreifen.

Es gibt bestimmt noch viele Anregungen und Ideen, wie ein Leben, ohne Tragen gestaltet werden kann. Wichtig ist immer, dass man das Kind nicht abschiebt oder in seinem Zimmer alleine lässt. Es sollte immer mitten im Geschehen dabei sein und von Anfang an dazu gehören.

 

© 2002 Ann