Kaiserschnitt bei Beckenendlage

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Nach einer ziemlich anstrengenden, aber trotzdem schönen Schwangerschaft wurde Leons Geburt als Kaiserschnitt geplant. Die ganze Schwangerschaft durch lag Leon in Beckenendlage und im letzten Drittel streckte er noch die Beine aus, hatte also die Füße direkt vor seinem Gesicht. Er ließ sich auch durch Moxabustion nicht zum Drehen bewegen, eine äußere Wendung schien uns zu brachial.

Der Termin wurde auf den 16.02.2001 gelegt (eigentlicher ET wäre der 28.02. gewesen). Am 12. 02. war ich noch zur normalen Vorsorge bei meinem Gynäkologen in der Klinik, in der wir auch entbinden wollten. Bei dieser Untersuchung wurde eine Streptokokkeninfektion festgestellt, die zwar behandelt werden sollte, aber nicht weiter besorgniserregend war, weil ja eh ein Kaiserschnitt geplant war.

Am Abend spürte ich dann einen leichten Flüssigkeitsabgang. Konnte aber nicht zuordnen, ob das von der Infektion kam oder schon auf einen Blasenriss hindeutete. Ich rief meinen Freund an, dass er doch bitte nachhause kommen sollte, für den Fall, dass wir noch in die Klinik müssten. Nach einem Telefonat mit der Klinik sollten wir beobachten und falls die Flüssigkeit mehr werden würde, kommen. Ich schlief in dieser Nacht kaum, da ich ja ständig zur Toilette musste, um nachzusehen, ob da mehr Flüssigkeit kam ;-).

Am Dienstag, den 13.02. ging ich noch wie geplant zur Arbeit, da ich selbständig bin und die letzten Dinge mit meiner Vertretung besprechen wollte. Im Verlauf des Morgens spürte ich dann eine Zunahme des Flüssigkeitsabgangs und rief nochmal in der Klinik an. Gegen 11 Uhr fuhr ich dann in Richtung Entbindungsklinik in dem festen Glauben, dass ich wieder heimfahren und nachmittags noch zum Frisör gehen könnte. Nach einer aufregenden Fahrt, denn auf der Autobahn war natürlich ziemlich viel los, kam ich um 11 Uhr 45 an und telefonierte noch kurz mit meinem Freund, um ihm zu sagen, dass ich mich nach der Untersuchung wieder melden würde, bevor ich wieder gen Heimat fahren würde. Naja, im Aufzug genau auf der Höhe der Entbindungsstation machte es dann *platsch*. Es gab also keinen Zweifel mehr, es war die Fruchtblase . Ich wurde schon erwartet und sofort in ein Bett gelegt und ans CTG angeschlossen. Es war alles okay, keine Wehen und Leon ging es gut. Ich hatte die ganze Fahrt über mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass er sich gut festhalten solle, wir wären ja gleich da.

Die Hebamme brachte mir alle Utensilien für den bevorstehenden KS und ein Telefon, damit ich meinen Freund anrufen könnte. Ihm trug ich dann auf, meinen Frisörtermin zu canceln *lol*, meine Mutter anzurufen, und dann solle er SOFORT in die Klinik kommen, da nur noch drauf gewartet würde, dass der OP frei wäre.

Er kam an und keine 5 Minuten später wurden wir in den OP-Bereich geschoben. Er musste sich umziehen und bei mir wurde die Narkose vorbereitet. Dann ging es zur OP. Ich wurde auf dem Tisch angeschnallt, fühlte mich wie ans Kreuz genagelt, aber mir war alles egal, ich wusste ja, dass ich gleich mit einem süssen Geschenk belohnt werden würde. Dann ging alles ruckzuck. Mein Freund schaute zu und beschrieb mir genau, was gemacht wurde. Ich spürte alles, empfand aber keinen Schmerz. Es war also alles nicht so schlimm, wie man mir einreden wollte. Leon wurde aus meinem Bauch gezogen und mir kurz gezeigt. Es wurde vorher vereinbart, dass ich ihn bekäme, wenn er sofort schreien würde, andernfalls müsse er erst versorgt werden. Man hob also das graue Bündel über die Tücher vor mir und ich hörte den Chefarzt sagen: Hallo, Mama. Leon wurde sofort zum bereitstehenden Kinderarzt gebracht, ich schickte Mike hinterher. Kurze Zeit später kam Mike ganz stolz mit Leon im Handtuch eingewickelt zu mir an den OP-Tisch und hielt ihn mir an die Wange, da ich ja immer noch angeschnallt war, konnte ich ihn nicht selbst in den Arm nehmen. Nach einer Weile (ich war zwischenzeitlich genähnt) nahm die Hebamme, die übrigens die ganze OP über bei uns sass und mir die Hand gestreichelt hatte, Mike und Leon mit nach oben auf die Säuglingsstation. Leon wurde nicht gebadet, sondern nur vermessen, gewogen und angezogen. Man liess dann Vater und Kind in einem Wehenzimmer allein, damit sie sich schon einmal näher kennenlernen konnten. Währendessen lag ich kathederisiert im Aufwachzimmer, rings um mich vollnarkotisierte Operierte. Ich scherzte noch mit dem Pfleger und der Schwester und sehnte mich nur noch nach meinem Freund und unserem Sohn. Mike kam dann mit einem Foto von den beiden zu mir und erzählte mir von Leons ersten Saugversuchen an Papas Finger.

Ich kann heute nicht mehr sagen, wann ich auf die Wöcherinnenstation kam und mein Kind in die Arme schliessen konnte, aber es war ein unbeschreiblich schöner Augenblick.

Aus meiner heutigen Sicht würde ich auf einer anderen Vorgehensweise bestehen. Ich würde nicht mehr getrennt werden wollen von Leon und Mike. Ich weiss mittlerweile, dass es auch möglich wäre, dass man nach einem Kaiserschnitt auch sein KInd sofort bei sich behalten kann. Diese erste Zeit fehlt mir heute mit Leon. Der einzig beruhigende Gedanke ist für mich, dass Leon bei seinem Papa war und erst als er fest eingeschlafen war für kurze Zeit alleine in seinem Klinikbettchen liegen musste.

Die Woche auf der Wöchnerinnenstation empfand ich als sehr angenehm. Das Pflegepersonal war sehr freundlich und die Kinderschwestern waren alle durch die Bank sehr lieb und kompetent. Ich bekam die nötge Hilfe und Unterstützung beim Stillen und den nötigen Zuspruch als mich die Wochenbettdepression überrollte.

Unsere ersten Erfahrungen mit dem Familienbett konnten wir schon in der Klinik sammeln.

 

© 2002 Martina