Eine Krankenhausgeburt und eine Hausgeburt 

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Ich bin Mutter zweier Kinder. Unser erster Sohn ist im Krankenhaus ambulant zur Welt gekommen, unser kleiner Sohn durfte Zuhause schlüpfen. Um den großen Unterschied zwischen Krankenhausgeburt und Hausgeburt darzustellen, will ich erst von der Hausgeburt berichten und danach einen kurzen Vergleich machen. Vielleicht kann ich mit diesem Bericht einige Frauen dazu ermutigen, über eine Hausgeburt nachzudenken. Es wäre mir eine Freude, denn ich kann mir eine Geburt mit klinischem Personal ohne medizinische Notwenigkeit nicht mehr vorstellen. Gebären ist Frauensache. Eine Frau wird nirgends so respektiert wie beim gesunden Gebären Zuhause, eine Frau kann nirgends so gedemütigt werden wie unter der Geburt. Wechselndes Personal, jeder will nach dem Muttermund schauen etc. Frauen werden leider immer noch viel zu oft unter der Geburt im Krankenhaus zurecht gewiesen, angewiesen, abgewiesen, zurecht gestutzt und übergangen.

Morgens um sieben ist mein großer Sohn, damals 22 Monate alt, wie immer zu uns ins Bett gekommen. Ich lag auf der rechten Seite und als ich mich zu ihm hin drehte, merkte ich, wie Flüssigkeit abging. Ich sagte erst einmal nichts, ging zum Klo und stellte fest, dass es Fruchtwasser war. Ich konnte es meinem Mann natürlich nicht vorenthalten und dachte mir voller Freude, dass das Kind ja nun innerhalb von 48 Stunden kommen muß. Ich freute mich riesig. Kurz darauf setzten auch Wehen ein, aber nur leichte, die gut zu veratmen waren. Sie waren mal da, mal wieder weg. Da mein großer Sohn jedoch viel Aufmerksamkeit forderte, wollte ich ihn schon zu dem Zeitpunkt zu Opa bringen lassen, wie es vorgesehen war, um mich besser auf meine Wehen konzentrieren zu können. Ich brauchte einfach Ruhe.
Die Wehen kamen weiterhin nur ab und zu, mal heftiger, mal weniger. Unsere Hebamme schickte uns erst spazieren, dann schlafen. Dann plötzlich waren die Wehen ganz weg. Ich schlief eine gute Stunde, was mir auch ganz gut tat. Um 16 Uhr mussten wir im Geburtshaus sein, CTG und Muttermund kontrollieren. CTG war erst komisch, zu tiefer Puls beim Kind. Meine Hebamme sagte uns nur, dass wir das Baby wecken sollen. Falls der Puls dann nicht hochgeht, müsse ich in die antroposophische Klinik fahren, für dich ich mich, falls es nötig würde, die Hausgeburt abzubrechen, entschieden hatte. Würde der Puls nicht hochgehen, stimme was nicht. Und siehe da, nach ein paar Kniebeugen ging der Puls hoch. Was war ich froh! Ich hatte richtig Angst, ich muß doch ins Krankenhaus. Der Traum der Hausgeburt schien ins Wanken zu kommen. Aber nichts da, der Puls wurde gut und alles war klasse. 
Nach der Kontrolle liefen wir zackig nach hause, um Wehen anzuregen. Wieder nichts. Aber ich braute auf Anweisung unserer Hebamme gleich einen Wehencoktail zusammen, der auch innerhalb von Stunden Wirkung brachte. Ab 20 Uhr abends kamen die Wehen wieder, waren aber noch gut zu veratmen und mit schönen Pausen. Wir riefen meine Freundin an, die wir fürs Kaffee kochen und Handtücher reichen eingeplant. Sie wollte noch in die Wanne um Ruhe zu Tanken und sich auf die Geburt einzustimmen, einen Kuchen backen für die bald frisch gebackene Mutter und dann kommen. Gerade rechtzeitig, um noch ein bißchen zu plaudern. Meine Hebamme kam etwas später, ab dann wollte ich sie doch an meiner Seite haben. Ihre Diagnose war ernüchternd: Muttermund war noch immer auf zwei Zentimeter, wie schon am Nachmittag. Das war entmutigend, weil die Wehen ja schon richtig schmerzhaft wurden. Aber dann ging es richtig los: Geburtswehen sind doch was anderes!
Mein Mann saß auf dem Petziball, ich hielt mich während der Wehen am Treppengeländer fest und ließ mich dann in seine Hände nach hinten, saß quasi in seinen Händen und konnte weit und tief durchatmen und "singen". Es half mir so gut, dass beim Hineinsetzen der Wehenschmerz für zwei bis drei Sekunden weg war! Geburtswehen hatte ich während drei Stunden. Absolute Rekordzeit nach meiner ersten 24 Stunden dauernden Geburt! Es ging ratz fatz, der Muttermund tat sich schön auf, und ich kam gut mit. Zwei oder drei Mal hatte ich einen Durchhänger, dachte, ich schaffe es nicht. Und da kam mein Hebamme zum Zug: Sie erinnerte mich ganz sanft an Beppo, den Straßenfeger aus "Momo" von Michael Ende. "Du mußt nicht die ganze Straße betrachten, sondern jeden Wisch einzeln. Und jeden Wisch, den du hinter dir hast, kommt nicht wieder." Das war die beste Geschichte, die ich je gehört habe zur Geburtsarbeit! Besser als jedes Anfeuern. Jeder Wehe tschüs sagen: Wehe, Du kommst nicht wieder! Dich hab ich geschafft! Noch kurz vor Mitternacht dachte ich: Oh je, wann habe ich es denn endlich hinter mir. Vielleicht, wenn es hell wird? Aber nein, unser Baby hat so fleißig mitgeholfen, sich gestemmt und mit aller Kraft gegen den Muttermund geschoben, daß es nur noch eine Stunde dauerte. Meine Hebamme war ganz erstaunt! Als sie um ein Uhr den Muttermund ausmaß, sagte sie, es fehlen noch ein bis zwei Zentimeter, sie könne aber den Muttermund über den Kopf schieben, das sei zwar "unangenehm", aber so gehe es schneller, falls ich das wünsche. Bevor sie auf meinem Einverständnis hin ansetzen konnte, war er ganz auf! In zwei Wehen noch den Rest geschafft! Wohl aus lauter Bammel, daß es noch mehr weh tun würde. Und der Hammer war: in 5 Minuten pressen war er da. Das Pressen selbst tat nämlich nicht weh, unter 100% Pressen war ich sogar schmerzfrei. Also preßte ich ohne Wehe und mit Wehe, ohne Unterbruch, einfach nur noch Pressen und nicht nachlassen. Deswegen ging es so schnell zum Schluß. Meine Hebamme rief meine Freundin, die Kaffee kochen war, um den Damm zu schützen: Komm her, den Kaffee brauche ich nicht mehr, wenn du nicht sofort da bist, verpaßt du es! So kam in letzter Minute heitere Hektik auf.
Als mein Baby da vor mir auf dem Boden lag, konnte ich es nicht fassen. Ich saß auf dem Gebärhocker, meinen Mann im Rücken und unserBaby zu meinen Füßen, blau, die Nabelschnur einmal um den Hals, einmal um den ganzen Körper. Erst war er ganz still, meine Hebamme entwickelte ihn, alle horchten, und dann kam der erste Ton. Es war phantastisch! Ich heulte los, alle Anspannung ging ab, schluchzte und weinte und mein Mann war auch nicht schlecht, der heulte gleich mit. Meine Freundin rang nach Luft und schlug die Hände vors Gesicht, denn sie hatte nicht gewusst, dass Kinder nicht rosa zur Welt kommen, eher einen bläulichen Hautton haben und erst nach einer Weile rosa werden. Sie dachte, er sei nicht in Ordnung. Als er sich meldete, kamen auch ihr ein paar Tränen... Ich nahm ihn hoch zu mir, hielt ihn fest und heulte weiter. Meine Hebamme und mein Mann zogen mir das T-Shirt aus, damit ich ihn direkt auf der Haut halten konnte, er mich riechen und meine Wärme einatmen konnte. Die Nachgeburt ließ ein paar Minuten auf sich warten, mit ein bißchen Husten war sie aber auch raus und perfekt in Ordnung. Meine Hebamme erklärte sie uns dreien in Ruhe und mein Baby hatte schon die Augen zu. Ließ sich halten und wärmen. danach halfen sie mir hoch vom Hocker, legten mich ins Bett und mein Mann, ich und unser frisch geborenes Glück kuschelten zusammen, während mein Baby schon friedlich an der Brust sog. Erst einige Minuten später wurde er mit dem Handtuch geputzt, angezogen, nachdem er natürlich vermessen worden war. Wir maßen ihn mit einem Wollfaden von der Socke, die meine Freundin in den letzten drei Stunden gestrickt hatte und einem Lineal, meine Hebamme hatte das Maßband vergessen, es sah so lustig aus! Zum Wiegen legten wir ihn in eine Spuckwindel und er wurde an einer einfachen Handwaage hängend gewogen, was für ein köstliches Bild! Wie auf einer dieser Glückwunschkarten, wo ein Storch mit einem Baby im Schlepptau übers Bild fliegt.
Etwa eine Stunde nach der Geburt verabschiedete sich meine Freundin, sie war total erschlagen. Sie war so tief beeindruckt von der Geburt, ihr fehlten wie Worte. Aber was mir ganz wichtig war: Sie hat keine Angst davor, selber mal schwanger zu werden und eine Geburt zu erleben. Im Gegenteil, sie hat die Angst vor den Geburtsschmerzen verloren.
Meine Hebamme blieb noch etwa zwei Stunden, kochte in der Küche ihre Instrumente aus und trank einen Tee. Es kehrte totale Ruhe ein, aber mein Mann und ich konnten noch immer nicht schlafen. Wir fanden in dieser ersten Nacht nur wenig Schlaf, es war zu schön und harmonisch um zu schlafen!
Den ganzen nächsten Tag verbrachten wir im Schlafzimmer, es roch noch so schön nach Geburt, die Stimmung war unfaßbar. Immer wieder betrachteten wir unser Baby und konnten es nicht fassen. Da haben wir doch Monate lang auf diesen Menschen gewartet und so schnell kam er plötzlich zu uns. Es ist einfach unfassbar, was die Natur uns da schenkt!
Mein Mann holte unseren Großen gegen Abend ab, so dass er seinen Bruder begrüßen konnte, aber nicht mehr voll munter und fit war. Er zeigt auch sofort Interesse am Baby, legte sich zu uns im Bett und schlief ein. Unser Großer gab sich völlig in die Geburtsstimmung hinein, war total friedlich und ruhig, genoss schweigend mit uns. Er war zufrieden und freute sich über das Kind an meiner Seite. Das schönste war am nächsten Morgen: Als erstes fragte er nach dem Baby.

Das ist mein Hausgeburtsbericht. Ich bin voller Glück und stolze Mutter, stolz auf alle meine drei Männer. Ohne meinen Mann würde das alles nicht diesen Sinn machen. Meine beiden Söhne sind phantastisch geraten, süß und einmalig. Was gibt es schöneres?!

Unser erstes Kind ist im Krankenhaus geboren, kein Vergleich zu dieser wunderschönen Hausgeburt. Als ich sieben Tage über Termin war, wurde mir eindringlich geraten, die Geburt einzuleiten. Das Kind könne sonst Schaden nehmen. Man sagte mir damals nicht, dass ich es erst mit dem Wehencoktail versuchen könne, was in Nachhinein betrachtet sicherlich ausgereicht hätte. Nein, man hat mir ein Wehenzäpfchen gelegt, nach sechs Stunden noch eins und dann ging es los: 14 Stunden krampfartiger Wehen, eine Minute Wehe, 45 Sekunden Pause, dann die nächste Wehe. Unter dieser Wehenlawine konnte der Muttermund nicht aufgehen, er war verkrampft und ich litt 14 Stunden auf einer Liege in einem Abstellraum, da die zwei Kreißsäle besetzt waren. Ab und zu kam eine Hebamme vorbei und sah sich das CTG an, das 14 Stunden mitlief! Ich wurde zurecht gewiesen, man hielt mich dazu an, ruhig zu sein und ließ mich wieder alleine mit meinem Mann, der völlig überfordert war in der Situation.
Erst nach dem Schichtwechsel kam eine gute Hebamme zu Zuge, die die Geburtssituation zum Wenden brachte: Sie sprach länger mit mir, gab mir die richtigen Globuli und die Wehen wurden erträglich. Schon nach wenigen Stunden war der Muttermund beträchtlich aufgegangen, ich genoss ein Bad und konnte mich in die Geburt hinein geben. Da die 14 Stunden sinnlose Wehen das Kind so gestresst hatten, dass der Puls immer wieder abfiel, durfte ich ausschließlich in der Käferposition mein Kind raus pressen. Davor hatte ich richtig Angst. Als mein Glück endlich bei mir im Arm lag, wir uns etwas kennengelernt hatten, bat ich nach Unterstützung beim ersten Anlegen. Die Hebamme, bis dahin eine sehr nette Frau an meiner Seite, meinte nur desinteressiert, das könne ich wohl tun, wenn ich das möchte. Mehr nicht.
Sie unterstützte mich in keinster Weise beim ersten Anlegen an die Brust, meinte nur, ich müsse ihm eh nur eine Brust geben, da komme noch nichts gegen den Hunger. Danach nahm sie mir mein Kind vom Arm und verließ den Raum, die U1 stand an. Ohne Kind lag ich im großen Bett, leicht verwirrt. Als sie zurück kam, durfte mein Mann ihn baden, gleich darauf fing sie an, ihn anzuziehen. In Krankenhauskleidung. Ich sagte ihr, ich habe selber Babykleidung dabei. Das sei nicht nötig. Auf meine Frage, ob ich in den kommenden Tagen die Kleidung zurückbringen lassen sollte, schaute sie mich verdutzt an. Warum? Na, ich gehe doch nach Hause, das steht so auch in meiner Geburtsakte. Wütend zog sie meinem Baby die Krankenhauskleidung wieder aus, schüttelte den Kopf und zog ihm den mitgebrachten Strampler an.
Im Untersuchungsheft las ich später, dass er Vitamin K bekommen hatte ohne unser Einverständnis. Auch wenn die meisten Eltern Vitamin K geben lassen, hätte sie mich doch fragen müssen. Ich war sauer. Zum Glück verließen wir gleich das Krankenhaus und verlebten ein überglückliches, einfaches und kompikationsloses Wochenbett.

Auf dem Hintergrund der zweiten Geburt, die zu hause stattfand, weiß ich, dass einiges falsch gelaufen ist im Krankenhaus. Dinge, die nicht geschehen dürfen, Dinge, die nicht in Ordnung sind.

Die Geburt hätte sanft eingeleitet werden können, wobei eine Einleitung nicht einmal von Nöten war. Dies wurde mir im Nachhinein von ärztlicher Seite her bestätigt. Man hat mich respektlos behandelt, mit mir geschimpft und mich zurecht gewiesen. "Nun reißen sie sich aber zusammen!" ist bestimmt nicht das, was eine Gebärende hören will! Man hat mich nicht gefragt, ob ich meinem Kind Vitamin K geben will. Wären Impfungen direkt nach der Geburt noch Standard, hätte man vielleicht sogar diese vorgenommen, ohne mich zu fragen. Die Hebamme war von dem Moment an, wo sie wusste, dass ich ihrem Krankenhaus nicht als Wöchnerin erhalten bleibe, unfreundlich, sogar sehr abweisend und ruppig.

Schon auf dem Nachhauseweg wusste ich, dass ich unser nächstes Kind zu hause gebären will, denn der Krankenhausroutine konnte ich keinen Gewinn abringen. Im Gegenteil: Ich war eine unter vielen, nichts besonders, mein Kind war nur ein Neugeborenes, kein spezielles. Jede Geburt ist ein einmaliges Erlebnis, ein Mensch findet zu uns, man hat die Pflicht, ihn gebührend zu empfangen!

Ich möchte jeder Frau ans Herz legen, sich mit der Möglichkeit einer Hausgeburt auseinander zu setzen. Wie auch immer die Entscheidung schlussendlich ausfällt, einen Gedanken ist es wert!

 

© 2002 Barbara

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