Von der Hand in den Mund - Fingerfood

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Unsere Raphaela (jetzt 13 Monate alt) ist ein richtiges Fingerfood-Kind. Wie so viele Erstlingsmütter auch, war ich der Meinung, dass man nach 6 Monaten abstillt, und dann gibt es Brei von Hipp & Co.

Nun ja, zuerst habe ich gelernt, dass man sehr gut auch ohne künstliche Flaschenmilch auskommen kann, aber das ist eine andere Geschichte. Als Raphaela ein paar Monate alt war, ging es dann los - mittlerweile war ich schon etwas schlauer und wusste, dass es auch noch Babynahrung jenseits der Gläschen gibt, z. B. selbermachen. Das war mir schon bei weitem sympathischer, zumal ich den Geruch und die Konsistenz der Gläschen überhaupt nicht mochte. Außerdem roch alles irgendwie gleich, egal ob Fleisch, Gemüse oder Fisch...

Nun ja, aber zum Anfangen sind die Gemüsegläschen ja doch praktisch, vor allem, weil man ja so klitzekleine Mengen braucht, und dafür zu kochen? Nein danke! Also, kam dann eines Tages der Tag, an dem ich mich entschloss, heute probieren wir mal Karotten, jawoll! Raphaela hatte schon angefangen, unser Essen quasi vom Teller wegzustarren und grabschte auch danach, also war der Zeitpunkt passend. Gesagt, getan, zwei Teelöffel Karotte erwärmt - meine Maus probiert und ist erstmal nicht sonderlich beeindruckt. Naja, das war uns ja vorher schon klar, man muss sich ja erstmal daran gewöhnen. Raphaela war da 6 Monate und ein paar Tage alt.

In der folgenden Zeit kamen wir allerdings über diese winzigen Mengen (echt nicht mal einen Teelöffel voll) nicht heraus. Rund um mich herum aßen die Babys im gleichen Alter nach kurzer Zeit ein ganzes Gläschen auf - nur meine Maus sah mich an und presste den Mund zu. Wochenlang ging das so. Was wir alles versucht haben: Ablenkung durch den Papa, der Faxen macht, Fernseher anschalten (obwohl ich das gar nicht leiden kann beim essen) etc. Nix da! Auch für zerdrückte Bananen oder ähnliches war sie so gar nicht zu begeistern.

Auf einer Mailingliste hörte ich dann von Fingerfood und dachte, das probierst Du mal aus. Da sass meine Raphaela dann, strahlt mich an, und schaufelt sich die Nudeln und das Gemüse rein, als hätte sie noch nie was anderes getan. Den Blick werde ich nie vergessen: Es war wie "Mama, endlich hast Du's kapiert!" Anfangs wollte ich es gar nicht recht glauben und hatte mir ein paar Tage später für das Büro wieder ein (selbstgekochtes) Gläschen mit Kartoffel-Gemüse-Brei mitgenommen. Raphaela sieht das Gläschen und fängt ein Riesengeschrei an! Als ich ihr daraufhin Kartoffelstückchen zum Selberessen angeboten habe, war sie wieder zufrieden und mampfte friedlich vor sich hin.

Was wir dadurch wohl um einiges früher am Esstisch hatten, war das Schlachtfeld ;-). Zeitweise hatte Raphaela Phasen, wo sie regelrecht getestet hat, ob auch wirklich alles auf dem Boden landet, was sie aus der Hand fallen läßt. Und es sah auch immer richtig lustig aus bei uns am und vor allem unter dem Esstisch. Mit dem Verschlucken hatte sie von Anfang an nie ein Problem, obwohl sie ihr erstes Zähnchen erst mit 9 Monaten bekam. Sie hat vorher sogar solange auf einem Stück Pizzabrot herumgekaut, bis sie es weich genug hatte. Wobei ich da aber auch immer doch etwas vorsichtig war und sie nie unbeaufsichtigt mit "harten" Sachen experimentieren liess. Von den Mengen her war es immer total unterschiedlich, manchmal hat sie nur ein paar Brocken gegessen, dann wieder eine große Portion (ca. Gläschenmenge). So richtig die Mittagsmahlzeit ersetzt hatten wir erst mit etwa 10 Monaten. Was mir allerdings bei der Fingerfood sehr aufgefallen ist, dass Raphaela richtiggehend Spass am und beim Essen hatte. Mit den Breiversuchen war es nur Theater und auch mein Gefühl sagte mir, dass das doch einfach nicht richtig sein kann.

Seit ein paar Wochen mag Raphaela nun doch Brei *manglaubtskaum*, ich glaube aber nur deshalb, weil sie jetzt selbst mit Löffel und Gabel essen will. Mit der Gabel hat sie es schon seit einiger Zeit drauf, wenn ich es ihr aufspiesse, aber mit dem Löffel geht das erst seit kurzem. Sie will selbst Brei löffeln, Suppe etc. Wenn es von festerer Konsistenz ist und leicht hängen bleibt, z. B. Kartoffeln zerdrückt, kommt dann auch (meistens) etwas davon im Mund an. Hat Raphaela richtigen Hunger, macht sie das auch nicht lange, sondern hält mir dann den Löffel hin, damit ich sie füttere. Wahrscheinlich geht es ihr sonst nicht schnell genug - der Hunger ist halt größer. Übrigens isst Raphaela fast alles. Sie probiert es grundsätzlich erstmal, um dann zu entscheiden, ob es eines weiteren Versuches Wert ist. Das fängt bei Ketchup an (jaja, geht gut mit der Hand essen) und hört bei Salat in Essig-Öl-Dressing noch lange nicht auf (wobei es ihr da ja mehr auf das Dressing ankommt, das komische Blätterzeugs bringt's ja nicht). Auch bei den Mengen darf sie selbst bestimmen, wieviel gegessen wird. Das ist mal mehr, mal weniger. Zeitweise stillt sie noch sehr viel, manchmal aber auch tagsüber fast gar nicht, ganz nach Bedarf eben. Ich habe ja auch nicht jeden Tag den gleichen Appetit.

Es ist schön zu beobachten, wenn Kinder die Welt durch Be-Greifen und Ertasten entdecken - und so eine Kartoffel fühlt sich ja auch echt klasse an, wenn man sie in der Hand zermatschen kann. Derzeit hat sie eine sehr soziale Phase, in der wir regelmäßig von Raphaela mit diversen Stückchen gefüttert werden. Jawoll, Mama und Papa müssen doch auch was essen ...

 

© 2002 Susanne

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