Hausgeburt von Elias

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29. Oktober 2003

Nach der für mich schrecklichen Krankenhausgeburt von Rebekka war mir relativ schnell klar: Wenn noch ein Kind, dann soll es zu Hause zur Welt kommen. Ohne die ganze medizinische Überwachung, einfach ganz natürlich.

Schon die Schwangerschaft von Elias verlief ganz anders. Diesmal hinterfragte ich die diversen Vorsorgen, die man so macht, und entschloss mich, so wenig wie möglich davon in Anspruch zu nehmen. Gerade vom Frauenarzt wurde das als verantwortungslos abgetan, aber ich war mir sicher, genau den richtigen Weg für mich und das neue Baby in mir zu gehen.

Für eine Hausgeburt braucht man eine Hebamme der man 100% vertrauen kann. Über Empfehlungen kam ich zu Bärbel, und von Anfang an wusste ich, dass sie es ist, dass es einfach passt. Sie begleitete mich ganz wunderbar durch die Schwangerschaft und gab mir immer wieder das schöne Gefühl, dass alles richtig gut läuft, und so war es ja auch. Ich entwickelte langsam ein richtig gutes Bauchgefühl und brauchte Bestätigung von außen immer weniger. Am Ende ging ich gar nicht mehr zum Frauenarzt, es war für mich einfach nicht mehr wichtig. So ging ich schließlich mit einem gesunden Selbstvertrauen in mich selbst in die Geburt.

Der Oktober kam, und alle Vorbereitungen waren getroffen. Der einzige, der noch nicht kommen wollte, war Elias. So wurde ich langsam etwas ungeduldig, hatte ich schon das Horrorszenario einer eingeleiteten Geburt im Krankenhaus vor Augen.

Nach 8 Tagen über Termin wurde ich langsam schon ungeduldig. Ich ging zwar nicht mehr zum Frauenarzt, musste die ganze übliche Routine nicht mitmachen, aber trotzdem überkam mich langsam die Angst. Würde es einfach so lange aus sich warten lassen, dass man eingreifen müsse? Die Gedanken macht sich wohl jede Frau über Termin, aber ich sah meine Hausgeburt gefährdet.

Auf den Kleinen in meinem Bauch (ich wusste nicht, dass es ein Junge werden sollte) hat das wohl mächtig Eindruck gemacht, dass ich so Angst hatte er müsse "geholt" werden, er wollte das mit Sicherheit auch nicht. So nötigte mich irgendetwas am Nachmittag des 28. 10. 2003, die Wohnung komplett zu putzen und sogar die Möbel zu verschieben. Die erhofften Wehen blieben allerdings aus, und so plagte ich mich den Rest des Tages "nur" mit schrecklichen Kreuzschmerzen herum.

Nachts um 2 Uhr wurde ich wach, weil ich aufs Klo musste. Nix besonderes. Nur dass ich nach dem Pinkeln schreckliche Unterleibsschmerzen behielt. 5 Minuten später war ich wieder aus dem Bett: Durchfall! Aha... das kam mir schon spanisch vor. Nach einer weiteren halben Stunde im Bett hielt ich es nicht mehr aus. Die ominösen Schmerzen kamen mittlerweile regelmäßig alle 3-5 Minuten, und auch der Bauch wurde hart. Ich weckte Ralf und ließ mir ein Bad ein. Allerdings fand ich auch das nicht länger als 15 Minuten angenehm. So bereitete ich zwischen den Wehen die Wohnung vor. Es herrschte schon rege Betriebsamkeit. Ralf war aufgestanden und legte im Kinderzimmer Folie aus. Rebekka war auch auf den Beinen und total aufgeregt. Ich sagte ihr, dass nun unser Baby kommen würde.

Irgendwann war an Vorbereitungen treffen nicht mehr zu denken. Ich versuchte, eine angenehme Stellung für's veratmen der Wehen zu finden, aber außer dem Stand war nichts angenehm. Also lief ich umher und suchte mir, wenn eine Wehe kam, etwas zum dran festhalten. Um halb 6 hatte ich das Gefühl, alleine nicht mehr zurecht zu kommen. Um 6 Uhr rief Ralf also meine Hebamme Bärbel an. Sie war eine halbe Stunde später da, und sofort fühlte ich mich wie aufgefangen. Sie veratmete mit mir die immer stärker werdenden Wehen und untersuchte dann den Muttermund. Der war schon 6 cm eröffnet! Wahnsinn für mich, denn bei Rebekka´s Geburt hatte ich für die selbe Strecke 12 Stunden gebraucht. Vom Gefühl her machte sich der Kopf auch langsam immer mehr auf den Weg nach unten. Ich konnte den Druck richtig spüren.

Da es Rebekka echt langweilig wurde und ich nun Ralf brauchte, um mich festzuhalten, riefen wir die zweite Hebamme Jasmin. Die kümmerte sich echt super um Rebekka, machte ihr Frühstück und erklärte ihr ganz einfühlsam, was grade vor sich ging. Eine bessere Geburtsbegleitung hätte ich mir für Rebekka nicht vorstellen können. Es war jetzt ca. 8 Uhr, ich war vollständig eröffnet und wir versuchten ein paar Wehen auf dem Geburtshocker. Pressdrang spürte ich schon, allerdings tat sich dabei nichts.
Bärbel nötigte mich für 3-4 Wehen in die Seitenlage. Das war fast nicht zum aushalten, bewirkte aber das der Kopf sich schön ins Becken eindrehte und tieferkam. Wir wechselten wieder auf den Hocker. Ich hatte einen unheimlich Pressdrang, allerdings auch das Gefühl das ich auf dem Hocker nicht recht effektiv pressen konnte. Dann kam die Fruchtblase aus der Scheide heraus und platze. Dank Bärbel, die vor mir kniete, ging nix auf den Teppich ;-)

 
Als die Fruchtblase geplatzt war, war der große Druck erst mal wieder weg. Wieder tat sich nichts. Wieder Seitenlage. Diesmal war es noch schlimmer, aber es brachte den Kopf echt schön nach unten und der Pressdrang kam wieder. Diesmal ging ich erst gar nicht auf den Hocker sondern blieb stehen. An Ralf geklammert schob ich während den Wehen kräftig mit. Aber es dauerte ewig, bis der Kopf geboren war. Dann wurde der Druck zwischen meinen Beinen immer größer und größer, bis ich dachte ich zereiße. Dann war auf einmal nix mehr... der Kopf war geboren!

Rebekka schaute interessiert zwischen meine Beine. Allerdings fand sie den Vorgang anscheinend nicht sonderlich beeindruckend und legte sich wieder flach auf den Boden.

Mit einer weiteren Wehe glitten die Schultern ganz leicht heraus. Es fühlte sich an wie es bei einer Kuh aussieht die ein Kalb kriegt. So glitschig und feucht. Und dann hatte ich es auch schon auf meinen Armen, mein Baby. Das es ein Junge war erfuhren wir erst sehr viel später bei einem neugierigen Blick unter das Handtuch und zwischen die Beine ;-) Unser Elias!

Diese "Traumgeburt" war das intensivste was ich bisher erlebt habe. Dieses Gefühl alles alleine, aus eigener Kraft heraus schaffen zu können. Einfach weil ich eine Frau bin und weil es meine Bestimmung ist Kinder zur Welt zu bringen. Dieses Gefühl ist das Größte. Ich bin gestärkt und unheimlich selbstbewusst aus dieser Geburt hervorgegangen. Es hat mich selbst wachsen lassen! Ich wünsche so eine Geburt jeder Frau.

 

Yvonne, November 2003

 

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