Monis Weg zum Continuum Concept

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Als mein Sohn im März 2001 geboren wurde, hatte ich mich noch nicht mit Erziehung befasst und reagierte in den meisten Dingen rein instinktiv. So stillte ich meinen Sohn 6 Monate voll, auch wenn ich damit zum Exot innerhalb der Familie wurde, in der die Mütter meist nur kurz gestillt hatten. Ebenso traf ich auf Unverständnis, als ich mein Kind im Alter von 6 Wochen anfing im Tuch zu tragen. Dass mein Kleiner den Kinderwagen verabscheute, wurde mir erst nach Eigenversuchen geglaubt, und trotzdem blieben einige dem Tragen gegenüber eher skeptisch und prophezeiten, ich würde mein Kind abhängig machen und es würde sich nie lösen können. Dass unser Sohn zwar in seinem Bettchen schlafen gelegt wurde, aber nachts dann in unser Bett kam, verheimlichten wir daher meistens.

In den Anfangsmonaten hatte ich den Eindruck, mich und meine Entscheidungen anderen gegenüber permanent verteidigen zu müssen, und das ging am besten, indem ich mich auf entsprechende Literatur berief. So kannte ich die gängigen Werke, las Eltern und verschaffte mir so einen Überblick, was man heute so für „normale Erziehungsmethoden“ hält. Mit 6 Monaten hatte mein Kleiner noch immer keinen richtigen Rhythmus, schlief nicht durch, und ich war nervlich am Boden. Aus meiner damaligen Sicht einer richtigen Erziehung musste mein Kind daher lernen, alleine einzuschlafen. Unsere Erfahrungen mit „Jedes Kind kann schlafen lernen“ und der „Ferber-Methode“ habe ich im Bericht Erfahrungen mit Ferberniedergeschrieben.

Schon bevor meine anfänglichen Erfolge mit Ferber sich ins Negative wandelten, war ich auf der Suche nach einem Erziehungsstil, der meinem Instinkt nahe kam, mit dem ich mich identifizieren kann und den ich dann auch als solches gegenüber meiner Umwelt verteidigen kann. Diesen fand ich dann über Barbara, die ich bereits aus dem Urbia Baby Forum und einigen Urbia Clubs kannte. Durch sie hörte ich zum ersten mal vom Continuum Concept und von Jean Liedloff, deren Buch ich dann in meiner Buchhandlung bestellte, denn ihr Werk war weder in den Regalen meines Händlers noch in der Stadtbücherei zu finden. Nachdem ich das Buch wenigstens zur Hälfte gelesen hatte und die deutsche Continuum Concept Netzwerk Homepage besucht hatte, schrieb ich mich dann in die  Continuum Mailingliste bei Yahoo! ein. Für mich ist das Continuum Concept die Urform des Kinder groß werden lassen und das Attachment Parenting dazu das Werkzeug in der Adaption zu unserer Gesellschaft.

Endlich habe ich ein Konzept, das mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Solange ich nur instinktiv arbeitete, konnte ich meine Ideen anderen gegenüber schlecht verteidigen, denn ich konnte ihnen natürlich nicht sagen, wie sich dieser Erziehungsstil in ein paar Jahren auswirken würde. Durch das Buch und den Austausch mit anderen Müttern bin ich viel sicherer geworden. Bei Unsicherheiten kann ich andere fragen, die genau wie ich denken, und das macht mich stark.

Mein Sohn ist ein aufgeweckter, gesunder kleiner Kerl, der täglich Neues entdeckt und mich immer wieder in Staunen versetzt. Mit seinen fast 15 Monaten und 11 kg Gewicht trage ich ihn immer noch häufig zu Hause, und wir genießen es beide. Dass ich meinen Sohn ohne Absperrung oder ständige Aufsicht die Treppe krabbeln lasse, hat meine Umwelt inzwischen verstanden, weil sie sehen, dass mein Kleiner das alles auch alleine bewältigt. Inzwischen stehen wir auch ganz offen zum Familienbett und können es uns anders gar nicht mehr vorstellen. Erst letztens wurde mein Mann gefragt, ob ihm unser Sohn sehr fehlen würde, wenn er irgendwann sein eigenes Bettchen bevorzugen würde. Mein Mann schluckte schwer und nickte wehmütig. Später sagte er mir, dass er es genieße, wenn unser Kleiner ihn beim ins Bett gehen im Halbschlaf begrüßt, sich an ihn kuschelt und ihm die Hand streichelt.

 

© 2002 Moni