Bericht einer Krankenhausgeburt

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Ich bin Mutter eines Sohnes, der das Licht der Welt im Krankenhaus erblickte. Im Vorfeld hatten mein Mann und ich reiflich erwogen, wo wir unser Baby zur Welt bringen wollen. Ein Geburtshaus gibt es nicht in der Nähe, meine Hebamme machte keine Hausgeburten, und jene Hebamme, die Hausgeburten begleitete, sagt mir persönlich nicht zu. Zudem hatte ich Angst vor einer Geburt, bei der mir die möglich Hilfsmittel nicht zur Verfügung standen. Sollte ein Kaiserschnitt von Nöten sein, hätten wir 17 km in ein Krankenhaus fahren müssen, das mir eigentlich nicht zusagte. Mein Wunschkrankenhaus war 35 km entfernt, aber der Termin war Anfang März. Wer wusste schon, wie die Wetterbedingungen sein würden. Außerdem war unklar, ob mein Mann die Geburt durchstehen würde, denn er kann kein Blut sehen. Freundinnen und Familie waren alle in unmittelbarer Umgebung meines Wunschkrankenhauses, also entschieden wir uns für die Klinikgeburt.

Zwei Tage vor Termin kamen abends die ersten, noch unregelmäßigen Wehen. Um 22 Uhr waren sie dann regelmäßig im 10 min. Abstand, aber noch wollten wir uns nicht auf den Weg machen. Das berühmte Lavendel-Bad brachte auch keine Entscheidung, also gingen wir zu Bett, auch wenn ich nicht schlafen konnte. Drei Stunden später kamen die Wehen alle 5 min., und wir machten uns langsam auf den Weg. Unterwegs hatten wir Schneegestöber. Hätten wir noch 3 Stunden länger gewartet, wäre noch Glatteis hinzugekommen.

Um 3.00 Uhr war ich dann in der Klinik am CTG. Die Herztöne waren wie immer vorbildlich, Wehen im Abstand von 5 min, aber ineffektiv, Muttermund 1 cm geöfftnet, wie schon seit 10 Tagen. Daraufhin bekam ich die Anweisung, bis 6:30 Uhr spazieren zu gehen. Ich konnte es nicht glauben. Es sollte doch nun endlich losgehen! Aber ich lief. Mal mit Mann, mal alleine. Gänge, Baby-Bilder und Nachtschwester wurden immer vertrauter.

Als ich meine Runden beendet hatte, stellten wir fest, dass ich keineswegs Fortschritte gemacht hatte, aber die Wehen waren inzwischen sehr schmerzhaft. Die Hebamme wollte mich nicht untersuchen, da ein Schichtwechsel anstand und sie mir eine zweifache Untersuchung innerhalb einer halben Stunde ersparen wollte. Ich wartete auf den Hebammenwechsel, dann weiter auf den Arztwechsel. Um 7:30 wurde ich zum Ultraschall geschickt. Großes Baby, ca. 4000 g, damit waren wir für eine Wassergeburt am Gewichtslimit. Der Muttermund war erst 2 cm geöffnet, die Wehen ineffektiv, aber inzwischen so schmerzhaft, dass ich laut schreien und die Wände hochgehen könnte. Keine Stellung brachte Linderung. Der Arzt war wohl etwas verwundert über die Lautstärke, die ich erreichte und fragte, ob es wirklich so schlimm sei. Rausschreien hatte ich gelernt - nicht die Zähne zusammenbeissen. Er nickte mit dem Kopf. Es war abzusehen, dass es noch lange dauern würde, und daher verlangte ich eine PDA. Ich schrie regelrecht danach. Mein Mann las mir die möglichen Risiken und Nebenwirkungen vor, aber egal was da gestanden hätte, in diesem Zustand hätte ich alles unterschrieben. Damit war aber auch die Wassergeburt vom Tisch. Egal. Wir wechselten in den Kreißsaal, und ich wurde in ein Klinikhemd gesteckt.
Um 8:00 Uhr kam das Anästesie-Team. Für mein Zeitgefühl hatten sie sich ewig Zeit gelassen. Ich nannte sie: Meine Lebensretter und warnte sie vor meiner Lautstärke. Sie waren wohltuend gelassen. Sie wären das gewöhnt. Mein Mann wurde rausgeschickt, er könnte ja umfallen. Als er zurückkam lag ich mit PDA, Wehentropf und Glucose auf dem Bett. Alles war auf einmal viel einfacher. Anfangs kam ich mir vor wie ein Feigling, aber je länger die Geburt sich hinzog, desto richtiger empfand ich meine Entscheidung. Den ganzen Vormittag döste ich so vor mich hin, mein Mann hinter mir liegend und mir den Rücken wärmend. Ich bekam etwas Frühstück und später Traubenzucker und Tee.


Zu zweit im Krankenhausbett

Am frühen Nachmittag musste die PDA neu gesetzt werden, da sie sich abgeknickt hatte und nur noch einseitig wirkte. Die Hebamme wechselte wieder, und der Muttermund brauchte ewig, bis der berühmte Saum endlich weg war. Nun kam die Sache aber langsam ins Rollen. Der Arzt erläuterte mir die Pros und Contras der künstlichen Fruchtblasenöffnung und fragte mich, was ich wolle. Ich überließ es seiner Fachkenntnis und er öffnet die Fruchtblase. Weil der kleine Zwerg sein Köpfchen etwas schräg hatte, musste ich immer wieder mal die Stellung wechseln von links nach rechts um das Kinddurchzuschaukeln. Mein Mann war eine große Hilfe, gab Durchhalteparolen, feuerte mich an und diskutierte mit der Hebamme, ob nicht wieder ein Stellungswechsel erforderlich sei. Die beiden waren ein gutes Team. Dann fragte der Arzt, ob er nachhelfen dürfe. Ich bejahte und er legte sich quer auf mich. Die Presswehen waren trotz PDA gut fühlbar, das heißt, ich spürte, wann die Wehe kam und konnte daher auch dementsprechend pressen. Die Hebamme spornte mich an, man könne schon das Köpfchen sehen. Dann diskutierte sie mit dem Arzt, doch ich bekam nicht mit, worüber sie sprachen. Dann musste ich genau auf die Anweisungen der Hebamme hören: Pressen, Hecheln, Pressen. Gut, dass ich in der Geburtsvorbereitung war.

Um 16:36 Uhr war mein kleiner Goldschatz dann da, mit der Nabelschnur um den Hals. Mein Mann, der nicht geglaubt hatte, die Geburt durchzustehen, durfte als Belohnung fürs Mithelfen unseren Kleinen abnabeln. Trotz 36,5 cm Kopfumfang kein Dammschnitt oder -riss. Der Arzt meinte, sie hätten mit der Schere nur gedroht. Das war also der Diskussionsinhalt gewesen. Dann kam die Nachgeburt, alles OK, schöne dicke Nabelschnur, also optimale Versorgung. Kein Wunder, dass er 4020g wog.

Trotz der 3 verschiedenen Hebammen habe ich mich im Krankenhaus gut aufgehoben gefühlt. Nie wurde über meinen Kopf hinweg entschieden. Ich wurde weder zurechtgewiesen noch angeblafft. Mein Schreien wurde nur kurz hinterfragt (es hätte ja auch etwas schlimmeres vorliegen können), aber dann akzeptiert und als normal abgetan. Sämtliche Maßnahmen wurden mir vorher erläutert, nichts traf mich unvorbereitet. Es wurde nicht gleich geschnitten sondern die Hebamme bemühte sich mit Erfolg, den Damm intakt zu lassen. Das einzige, was ich bedaure, ist, dass ich meinen Sohn nicht sofort auf den Bauch gelegt bekam. Er wurde erst untersucht, von meinem Mann gebadet und angezogen. Erst dann bekam ich ihn und durfte ihn im Beisein der Hebamme anlegen. Mein Kleiner machte das sofort perfekt.

 

© 2002 Moni

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