Lianes Weg zum Continuum Concept

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Erstens kommt es anders, Zweitens als man denkt. Dieses Sprichwort passt ziemlich gut zu mir und meinem Weg zum CC.

Als ich mit 30 Jahren schwanger wurde, befand ich mich gerade in der Fachweiterbildung zur Intensivkrankenschwester und hatte eine Stelle als stellvertretende Stationsleitung einer Intensivstation in der Tasche. Nach vielen Enttäuschungen wollte ich mich nur noch auf meine "Karierre" konzentrieren. Sylvester 2000/2001 lernte ich meinen Freund und Papa von unserem gemeinsamen Sohn kennen und wurde ungeplant schwanger. Wobei unser Sohn nicht ungewollt war. Uns war klar, dass wir Kinder zusammen wollten, nur zu einem anderen Zeitpunkt.

Simon kam zwei Wochen zu früh spontan im Krankenhaus zur Welt und wurde 24 Stunden später in eine 30 km entfernte Kinderklinik auf die Neugeborenen Intensivstation verlegt. Er hatte eine sehr ausgeprägte Neugeborenengelbsucht bei Blutgruppenunverträglichkeit. Aus diesen Gründen lag Simon in einem Inkubator, der mit Aluminiumfolie komplett abgeklebt war. Wir durften ihn nicht rausnehmen , geschweige denn zum Stillen anlegen. Eine Beziehung aufbauen? Daran war nicht zu denken. Nach ca. 5 oder 6 Tagen durfte er dann zum ersten mal raus auf meinen Bauch. Das war dann der erste Körperkontakt nach der Verlegung. Das Stillen wollte da natürlich nicht klappen und so pumpte ich fleißig ab und Simon bekam die Muttermilch mit der Flasche.

Nach 10 Tagen Krankenhaus-Aufenthalt durften wir Simon zu seinem fast geplanten Entbindungstermin mit nach Hause nehmen. Das Stillen klappte auch zu Hause nicht. Er brüllte verzweifelt meine Brust an. Er kam damit überhaupt nicht zurecht, obwohl ich massig viel Milch hatte. So beschlossen wir, mein Freund und ich, die Muttermilch weiter per Flasche zu geben. Nach diesem Entschluß entspannten sich die Mahlzeiten enorm und der Entschluß fühlte sich richtig an. Wir haben dann das Flasche geben so gestaltet, als wenn ich gestillt hätte. Nach Bedarf und mit ganz viel Nähe. Nähe von mir und seinem Papa.

Unser Sohn war ein sog. 24-Stunden-Baby und ist jetzt ein 24h-Kind. Er weinte viel, vor allem abends und auch tagsüber. So kam mein Tragetuch oft und sehr erfolgreich zum Einsatz. Während Simon im Tragetuch schlief oder wach war, machte ich meinen Haushalt oder wir schliefen Bauch an Bauch auf der Couch. Auch der Papa trug Simon im Tragetuch.

Aber auch der Kinderwagen kam, wegen gesundheitlicher Gründe, oft zum Einsatz. Allerdings war er darin ebenso glücklich, wie im Tragetuch. Und so genoß es die Oma tagtäglich im Dorf spazieren zu fahren. Auch trug sie ihn zu Hause sehr viel auf dem Arm.

Die Oma hat einen sehr vorsichtigen und dennoch liebevollen Umgang mit Simon. Ich musste lernen, Simon zu vertrauen. Ihm zu vertrauen, das er kompetent genug ist und seine Grenzen wahren wird. Mehr dazu in meinem Erfahrungsbericht - CC und alte Menschen, insbesondere Omas- .

So kurz vor Weihnachten 2003 kaufte ich mir den Ergo Baby Carrier, und endlich konnte ich Simon wieder schmerzfrei tragen. Aber die Tragezeiten sind im Großen und Ganzen vorbei. Er fordert es eigentlich nur noch daheim ein und unterwegs nur, wenn wir schon sehr viel gelaufen sind und Simon müde ist oder wir in der Großstadt unterwegs sind.

Nur im Bezug auf das Schlafen hörten wir auf die von der Öffentlichkeit empfohlenen Literatur und so kam für uns ein Familienbett nicht in Frage. Wir lasen das Buch: "Jedes Kind kann schlafen lernen" und brachten es nicht übers Herz, Simon weinen zu lassen. So kam es, dass überwiegend ich und manchmal der Papa 14 Monate lang mindestens 3 oft aber bis zu 10 x in der Nacht aufgestanden sind. Tagsüber war er trotzdem sehr ausgeglichen und sehr fröhlich.

Als Simon 13 Monate jung war, hörte ich auf der Kinderhomöopathie-Mailingliste das erste mal vom CC, und ich meldete mich in der CC-Mailingliste und im LCN-Forum an. Zu dem Zeitpunkt hörte ich das erste mal von Jean Liedloff und ich las dann auch gleich ihr Buch. Und ich las immer mehr vom Familienbett. Dazu kam die Lektüre Schlafen und Wachen von W. Sears und ich hatte zum einen sehr viele aha Effekte und sehr viel Bestätigung in unserem Umgang generell mit Simon.

Nachdem ich mittlerweile schon sehr gereizt war und ich den Zustand des vielen nächtlichen Aufstehens nicht mehr ertrug, konnte ich meinen Freund vom Familienbett überzeugen. Wir bauten Simon sein Bett als sog. Babybalkon an mein Bett an und seitdem schläft Simon bei uns. Er schläft immer noch nicht durch, aber er hat keinen Grund mehr zu weinen. Wir sind ja bei ihm.

Unser Sohn braucht immer noch sehr viel Nähe und hat ein sehr großes Kuschelbedürfniss.

Durch unseren respektvollen Umgang miteinander und auch das Grenzen wahren meinerseits haben wir hier einen sehr entspannten Umgang miteinander. Simon kennt seine Grenzen und seine Bedürfnisse und kann diese recht gut auch gegenüber seinen Omas äußern und zeigen. Hilfreich waren mir da unter anderem die Bücher Grenzen, Nähe, Respekt und Das kompetente Kind von Jesper Juul sowie Nun hör mir doch mal zu von Malish/Faber.

Sollten wir mal ein zweites Kind bekommen, dann würde ich genauso handeln und reagieren wie jetzt. Ich würde nur noch mehr Tragen, und wir werden von Anfang an ein Familienbett haben.

Für mich fühlt sich mein bisheriger Weg richtig an. Auch ohne Stillen, spätem Familienbett und durchschnittlichen Tragen. Durch diese meine innerliche Sicherheit ist unser Sohn so wie er ist. Er wächst an mir und ich wachse an ihm.

 

Liane